user_mobilelogo

Erfahrungsbericht Donington Historic Festival 2012

von Ronny Tobler

Letztes Wochenende flogen wir nach Donington Park zum Historic Festival. Unsere Erwartungshaltung war nicht allzu hoch, Donington ist eine Rennstrecke deren glorreiche Zeiten weit zurück liegen. Im Jahre 2007 wollten die neuen Besitzer die Rennstrecke komplett umbauen, um die Formel 1 von Silverstone nach Donington zu holen. Leider ging im Rahmen der Finanzkrise den Investoren das Geld aus und der vorherige Besitzer Tom Wheatcroft kaufte die Strecke zurück und stellte sie in kleinerem Rahmen fertig.


Donington Park Rennstrecke

Die Strecke ist 4km lang und relativ schnell zu lernen. Sie bietet gute Abwechslung von einfachen und anspruchsvollen Kurven, mit Coppice auch eine Kurve, die blind angefahren werden muss, da der erste der beiden Scheitelpunkte nicht im Sichtfeld liegt.
Am Samstag Nachmittag  kamen wir in Donington an. Der Event startete bereits mit freien Trainings am Donnerstag. Die Wiese vor dem Eingang zur Rennstrecke war zugeparkt, wir waren sehr erstaunt über das  grosse Zuschaueraufkommen an einem kleinen Event. Nur, dass der Event nicht so klein war. Nach der Zutrittskontrolle im Fahrerlager angekommen sahen wir die Crème de la Crème des historischen Motorsports zu sehen. Alle waren da, aber wirklich alle. Ferrari 250, Maserati Birdcage, Aston Martins in allen Variationen und und und... Viele Bilder der Autos findet ihr in der Galerie.

 

Der Samstag war für uns frei, am Sonntag war um 9:00 Uhr das Qualifying geplant und für 11:50 das Rennen. Das historische Langstreckenrennen der Stirling Moss Trophy dauert 60 Minuten mit optionalem Fahrerwechsel. Unser Rennwagen war Jürg’s Lola Mark 1, Baujahr 1958, der erste von Lola gebaute Rennwagen. Die Lola ist ein rechtsgesteuerter einsitziger Sportwagen mit einem 1200ccm Coventry Climax Motor. Die Kraft wird über ein 4 Gang Getriebe an die dünnen hinteren Räder abgegeben, gebremst wird mit Trommelbremsen rundum.

Lola Mk1 Grand Prix de Pau 2003

Für mich war es das erste Mal mit der Lola. Die Sitzprobe gestaltete sich schon interessant. Jürg ist ein wenig schlanker als ich, so hatte ich zwei Druckstellen an der Hüfte links und rechts. Und wozu dieses Rohr? Auf der rechten Seite bohrt sich einem ein Chassis Rohr in die Rippen. „Das merkt man nicht dank Adrenalin“ meinte Jürg, dafür noch Tage danach dachte ich. Das Lenkrad erreicht man mit gestreckten Armen, Gas und Bremse sind extrem nahe beieinander, damit man gut Bremsen und Zwischengas geben kann. Alles in allem für mich als Tourenwagenfahrer sehr ungewohnt. Und dann muss man ja noch Einiges zusätzlich beachten wurde mir gesagt: Der Weg von einem Gang zum nächsten ist 2-3cm, sei sicher, dass der Gang auch drin ist bevor Du Gas gibst. Das Auto hat keinen Drehzahlbegrenzer und wir wollen dem Motor nicht schaden. Die Trommelbremsen geben nach zwei Runden voll fahren ab, sei darauf gefasst, dass Dir die Strasse (nicht) ausgeht.

Lola Mk1 Sitz

Lola Mk1 LenkradLola Mk1 Sitzposition

Im Qualifying war Jürg’s Aufgabe zu überprüfen, ob die Lola ohne Probleme läuft und dann bereits nach kurzer Zeit an mich zu übergeben, damit ich mich mit der Bedienung wie auch der Strecke vertraut machen konnte. Nach 10 Minuten stand der Fahrerwechsel an, ich nahm in der Lola Platz. Richard zurrte mich fest und gab mir das Zeichen loszufahren. Ich wusste, dass die Kupplung sehr direkt war und versuchte mit einer hohen Drehzahl loszufahren. Und würgte natürlich den Motor ab. Ok, 3000 Touren reichen nicht. „Gently with the clutch“ meinte Richard. Ja Richard, danke für den Tip ;-). Das Gefühl für die Kupplung fehlte mir und so würgte ich den Motor ein zweites Mal ab.  Beim dritten Mal mit geschätzten 5000 Touren setzte sich die Lola widerwillig in Bewegung. Schön langsam aus der Box und ab auf die Strecke. In England bedeutet dies in die entgegengesetzte Richtung, die ich normalerweise gewohnt bin. Und wie war es? Ich war ein kompletter Fahranfänger. Schon nur für die Bedienung der Lola brauchte ich die vollen 20 Minuten des Qualifyings. Die Gänge waren schwer zu schalten, die Pedale so nahe beieinander, dass ich einmal Bremse und Gas miteinander erwischte. Gut dachte ich, ich habe ja Zeit. Und dann wurde die Session auch schon abgewunken.
Zwischen Qualifying und Rennen hatten wir Zeit uns an der Strecke umzuschauen. Sehr schön anzuschauen: Viele Auto Clubs haben rund um die Zuschauerplätze ihre designierten Bereiche, um ihre Fahrzeuge zu präsentieren.


Porsche 911SFerrari F50

Austn Healey Sprite Frogeye BugeyeFerrari Dino

Die Zeit war wie im Flug vorbei und um 11:00 Uhr durften wir uns bereits am Vorstart einfinden. Jürg sollte den Start fahren und dann nach einer halben Stunde an mich übergeben. Das Qualifying war noch harmlos, nun merkte ich jedoch die Anspannung und leicht erhöhten Puls. Durch einige Crashs im Jaguar E Feld verzögerte sich der Start und wir wurden informiert, dass die Start/Ziel Gerade mit einer Ölspur mit Zement als Bindemittel bedeckt ist. Anbei ein Bild eines Jaguar E nach dem Rennen, das Feld übt sich im Kontaktsport.

Jaguar E Type After Race

Nach etwas Wartezeit ging es auch schon los. Nach einer Einführungsrunde fand der fliegender Start statt.  Jürg konnte sich über die nächsten 30 Minuten bis zum Boxenstopp kontinuierlich nach vorne arbeiten, die Lola lief ohne Probleme. Auch für Jürg war es das erste Rennen mit der Lola nach einer längeren Pause. Dann kam der grosse Moment, Jürg kam in die Box, ich übernahm das Steuer. Ich wurde in der Lola festgezurrt, die Aufregung senkte sich zur absoluten Ruhe. Eine Ruhe, die mich das Rohr auf der rechten Seite (vgl. oben) das ganze Rennen spüren liess. Im Fussraum hatte es Öl, es war rutschig. Nach einem kurzen Check liess mich Richard auf die Strecke. Dieses Mal fühlte sich alles viel besser an und ich konnte mich voll auf das Erlernen der Strecke konzentrieren. Von Runde zu Runde gelang es mir besser und ich fand Sekunde für Sekunde bis - ich nicht mehr schalten konnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ein Teil des Kupplungsgeberzylinders fehlte und das Öl im Fussraum von dort stammte. Mit Anpassen der Drehzahl konnte ich schalten, jedoch verlor ich Zeit und Plätze.  Nach zwei Runden hatte ich den Dreh raus und konnte mich langsam nach vorne arbeiten und sogar Konkurrenten überholen. Ein gutes Gefühl! Meine Zeiten wurden besser und ich konnte mich langsam an den Grenzbereich der Reifen herantasten.

Es gibt eigentlich nur eine gefährliche Stelle an der man das Fahrzeug beschädigen konnte: nach der Schikane auf der Start/Ziel Geraden. Natürlich brach mir genau dort das erste Mal das Heck beim herausbeschleunigen aus. Mit einer schnellen Lenkkorrektur stand die Lola wieder gerade, ok, nun kenne  ich die Grenze. Warum tränen meine Augen? Das erste Mal fahre ich ein Rennwagen ohne Windschutzscheibe, den Helm im Wind. Anscheinend tragen die Abgase oder sonst etwas dazu bei, dass meine Augen tränen. Und hie und da spickt ein Stück Gummi aufs Visier. Interessant. Der Mund war trocken, nächstes Mal sollte ich doch die Trinkflasche mit einpacken. In der VLN trinke ich in einem Stint (1h15min) gut einen halben Liter Wasser.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch einen Gegner gefunden: De Prins in einem gelben Rejo MkIV. Mit ihm duellierte ich mich bis zum Schluss und hatte einen riesen Spass – natürlich speziell, weil ich De Prins hinter mir lassen konnte.

Nach der scharz/weiss karierten Flagge  kam ich überglücklich zurück an die Box und kann es kaum erwarten wieder einmal in der Lola Platz zu nehmen. Herzlichen Dank dem Team rund um Richard Walbyoff für die gute Betreuung!

Contact

ARED Motorsport

Seestrasse 142

CH - 8806 Bäch

Email: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.